Ess-Störungen gibt es in sehr verschiedenen Formen - einmal gibt es die Bulimie. Bulimie äußert sich dahingehend, daß Menschen Freßattakten haben und danach sofort aufs Klo laufen, um das in sich Hineingestopfte sofort wieder erbrechen. Bei dieser Form von Ess-Störungen kann es bis hin zur lebensgefährlichen Unterernährung kommen, weil dem Körper die notwendige Nahrung entzogen wird. Und durch das häufige Erbrechen werden alle Organe, die in Anspruch genommen werden, um zu erbrechen, bis aufs äußerste gereizt, so daß die weitere Nahrungsaufnahme ebenfalls zur Tortour wird.
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Weiterhin gibt es die Magersucht. Hier handelt es sich um eine totale Ess-Verweigerung. Dem Körper wird oftmals über Wochen nur flüssiges zugeführt. Normales Essen, wie z. B. Kartoffelbrei, Fleisch oder deftiges können von diesen Menschen gar nicht zu sich genommen werden, ohne daß es sofort wieder erbrochen wird. Auch hier trifft es zu, daß sämtliche Organe so sehr gereizt sind, daß Essen zur Tortour wird. Solche Menschen sind oftmals so dünn, daß ein Windhauch sie umwerfen kann. Diese Form der Ess-Störung ist meiner Meinung nach die gefährlichste, denn hier kann es wirklich sehr sehr schnell zu einer absoluten Unterernährung führen, die dann den Tod zur Folge hat.
Letztendlich gibt es dann noch die Fettsucht, zu der ich mich hier besonders äußern möchte, weil ich selber davon betroffen bin.
Es hat mich ganz viel Überwindung und Mut gekostet, mich zu diesem Thema hier im Internet zu äußern - denn es bedeutet ja auch, ganz viel von einem selbst offen zu legen. Aber trotzdem denke ich, daß es vielleicht auch für andere Menschen, die ähnliches erlebt und durchgemacht haben bzw. auch jetzt noch durchmachen, eine Hilfe sein könnte - eine Hilfe in dem Sinne, daß es Mut macht, sich dieser Problematik zu stellen.
Ich habe mich auch lange genug geschämt, weil ich dick bin und Diäten bei mir nicht so angeschlagen und dauerhaft erfolgreich waren. Seitdem ich den Grund für mein Dicksein erkannt habe (nämlich als Schutz vor Männern sowie Hunger nach Zuneigung, Geborgenheit und Wärme - bedingt durch den sexuellen Mißbrauch, der meiner Meinung erst möglich wurde durch die Schwierigkeiten mit meiner Mutter) kann ich mit meinem Dicksein viel besser umgehen.
Es tut oftmals verdammt weh, wenn man (wenn ich man sage, meine ich damit aber jetzt mich) sich damit auseinandersetzt, wenn man erkennt, unter welchen Umständen man gelebt hat und durch welche Situationen oder Mißstände diese ganzen Probleme aufgetreten sind. So manches Mal habe ich es verflucht, daß ich mit dieser Therapie angefangen habe, weil es mir so viel schlechter ging als vorher; jedoch je mehr ich von diesen Dingen loslassen kann, umso leichter wird mir zumute. Mittlerweile kann ich es auch besser verstehen, daß ich loslassen muß, um geheilt zu werden.
Mein Übergewicht ist ja auch nicht von ungefähr entstanden, weil ich "nur" zu viel fresse, sondern weil es einerseits mein einziger Schutz und andererseits aber auch Hunger nach Zuneigung, Geborgenheit und Liebe war und auch heute teilweise immer noch ist. Wenn dann noch Phasen hinzukommen, in denen man sich selber nicht mehr leiden mag, geschieht es sehr häufig, daß dann ganz unbewußt richtige Fressattakten erfolgen.
Der Hunger, den man tatsächlich spürt, ist wirklich real, obwohl es sich dabei meistens um Hunger nach Aufmerksamkeit, Zuneigung oder ähnliches handelt. Und was meiner Meinung nach noch mit am wichtigsten ist, ist, daß dicke Menschen es verlernt haben, auf ihren Körper zu hören. Während schlanke Menschen es spüren, wenn sie satt sind, kommt bei dicken Menschen dieses Signal zwar auch, wird aber viel zu spät wahrgenommen.
Schließlich kommen auch Phasen, in denen Diäten gemacht werden, deren Erfolg meist nicht sehr einschneidend ist und somit wiederum Frustation auslöst. Aus diesem Teufelskreis herauszukommen ist ganz furchtbar schwer. Das können - meiner Meinung nach - auch größtenteils nur Menschen wirklich verstehen, die solche Situationen selber erleben. Schlanke Menschen, die mit dieser Problematik nicht zu kämpfen haben, stehen dann da und sagen: "Reiß dich doch nur mal etwas zusammen mit dem Essen oder ess nur Salat, Obst und son Zeug". Daß das aber gar nicht das eigentliche Problem ist, daß sehen solche Leute nicht ;-(((
Ess-Störungen gibt es schon ziemlich lange - leider wurden sie aber nicht ernst genug genommen. Erst in den letzten Jahren hat sich daran etwas geändert. Mittlerweile weiß man, daß Ess-Störungen ein sehr großes Problem für die Betroffenen darstellen. Oftmals wurden/werden diese Störungen gar nicht richtig wahrgenommen - vom Umfeld bzw. von den behandelnden Ärzten nicht.
Was mich persönlich immer wieder sehr ärgert, sind dumme Sprüche von schlanken Menschen, die meinen, daß dicke Menschen einfach nur weniger fressen sollten, dann würden sie ihr Gewicht schon verlieren - ein bißchen Sport dazu und man bekommt sein Gewicht in den Griff. Alles nur eine Frage der Disziplin - nach Meinung vieler schlanker Menschen.
Ich möchte hier auf dieser Seite versuchen, mehr Verständnis und nicht mehr so viel Hohn und Spott für dicke Menschen zu erreichen. Auch wenn viele Dicke sagen "das trifft mich nicht, da lach ich drüber" - ich glaube, nach außen hin lacht man darüber, aber drinnen tut es verdammt weh, wenn man in der Öffentlichkeit verhöhnt und verspottet wird wegen seines Äußeren.
Ess-Störungen haben nach meiner eigenen Erfahrung sehr häufig seelische Ursachen. Oftmals werden diese Ess-Störungen hervorgerufen durch sexuellen Mißbrauch in der Kindheit, mangelnde oder gar fehlende Zuneigung seitens der Bezugspersonen in der Kindheit oder gar beides zusammen.
(Es mag sein, daß ich das folgende sehr verzerrt sehe, weil ich sehr wenig bzw. keine Erinnerungen an früher habe und auch schöne Momente, die ich sicherlich erlebt habe, ebenfalls hinter diesem schwarzen Vorhang verschwunden sind ;-((( )
Ich kann da jetzt "nur" von mir sprechen, denn ich wurde als Kind von meinem eigenen Onkel über einen längeren Zeitraum sexuell mißbraucht. Eine Chance, aus diesem Teufelskreis herauszukommen, gab es für mich nicht, denn bei meiner Tante und meinem Onkel hatte ich, als dieser Mißbrauch geschah, das einzige richtige Zuhause.
Meine eigene Mutter gab mich als Baby bei ihren Eltern ab und verschwand dann für die nächsten 10 Jahre. Erst mit 10 Jahren lernte ich sie kennen, und das auch nur, weil mein Großvater starb und sie zur Beerdigung kam. Und sie brachte dann auch gleich noch ihre beiden anderen Kinder mit, die sie in der Zwischenzeit bekommen hatte und die mit ihr zusammenleben durften.
Diese beiden Halbgeschwister waren ihr vertraut, während ich für sie total fremd und ungewollt war. Das ließ sie mich auch von Anfang an spüren. Während meine Brüder von ihr alle Liebe bekamen, wurde ich immer weggestoßen. In den Arm nehmen, liebhalten oder einfach nur mal so, das gabs für mich bei ihr nicht. Glücklicherweise blieb ich aber bei meiner Großmutter wohnen, so daß ich nur sporadisch Kontakt zu ihr hatte.
Das größte Unglück, was mir dann passierte, war, daß nur 9 Monate später auch noch meine Großmutter starb und ich dann zu meiner Mutter in den Haushalt mußte. Nur ein paar Wochen nach dem Tod meines Opas hatte sie wieder geheiratet, so daß ich in eine komplett neue Familie kam. Ich war grade 11 Jahre alt geworden, und von nun an war meine Kinderzeit vorbei.
Von nun an hieß es für mich; auf meine Geschwister aufpassen, Hausarbeiten erledigen und versuchen, so unauffällig wie möglich zu sein, um ja nicht eine Ohrfeige oder gar Prügel zu bekommen. Meine beiden Brüder hatten den Bogen aber sehr schnell heraus, daß sie bei Muttern gut davon kamen, wenn sie mir irgendwelche Sachen in die Schuhe schoben. Für die beiden habe ich damals sehr viel Schläge einstecken müssen. Wenn andere Kinder sich nachmittags draußen zum Spielen trafen, mußte ich in der Wohnung bleiben - sämtliche Türen zum Wohn- und Schlafzimmer wurden abgeschlossen. Und ich mußte die aufgetragenen Arbeiten - wie Bad und Küche putzen, Schränke aufräumen - erledigen.
Meine Leistungen in der Schule ließen auch erheblich nach, so daß mein Stiefvater sich bemühte, mir Nachhilfeunterricht zu geben. Es wurde auch etwas besser, aber die alten Leistungen habe ich nie wieder erreicht ;-(((
Im Laufe der nächsten 3 - 4 Jahre verschlechterte sich das Zusammenleben mit dieser Familie immer mehr. Je mehr ich nach Liebe und Aufmerksamkeit hungerte und versuchte, durch immer mehr Übernahme von Aufgaben, umso mehr wurde ich abgelehnt. Egal, was ich tat, gut genug war es für meine Mutter niemals. Sie schrie mich oft an, schlug mich und schleuderte mir schlimme Worte entgegen "du taugst doch zu nichts etwas" oder "du bist doch einfach zu blöd, um das und das zu machen". Und wie gesagt, meine Brüder hatten es drauf, solche Momente auch noch gut abzupassen und mir extra noch was anzuhängen. Wenn ich geweint habe, hieß es dann nur" Hör auf zu heulen, dadurch wird es auch nicht besser". Irgendwann konnte ich auch nicht mehr weinen. Das habe ich erst jetzt wieder - wenigstens ansatzweise - gelernt.
Irgendwann hatte ich dann nur noch den Wunsch, weg von hier - irgendwo hin, wo ich etwas Liebe und Geborgenheit finde. Also machte ich mich zu Fuß auf den Weg zu meiner Patentante. Als ich dort das erste Mal ankam, frage sie mich, wo ich denn herkomme. Als ich ihr sagte, daß ich weggelaufen wäre, meinte sie nur: "das habe ich gewußt, daß das einmal passieren wird". Jedes Mal, wenn ich von "zuhause" fortgelaufen bin, kam dann entweder mein Stiefvater oder eine Fürsorgerin bei meiner Tante an, und ich mußte wieder zurück nach "hause".
Und jedes Mal bin ich wieder abgehauen - wie oft? Ich weiß es nicht mehr!!!
Meine Tante und ihr Mann hatten zu diesem Zeitpunkt auch bereits mehrere Kinder - waren es 5 oder 6? Ich weiß es nicht mehr. Wenn ich zu ihr geflüchtet bin, mußte ich bei ihren Kindern im Zimmer mitschlafen, weil ihre Räumlichkeiten auch nicht sehr groß waren, aber mir machte es nichts aus.
Wann genau der sexuelle Mißbrauch begann, weiß ich nicht mehr. Meine Erinnerungen an meine Kindheit, Jugendzeit sowie auch jüngere Vergangenheit sind so dünn, daß es mir heute ganz große Angst macht - Angst davor, daß mein ganzes Leben so schlecht war, daß ich es alles vergessen mußte, um überleben zu können.
Das einzige, woran ich mich vage erinnern kann, ist, daß mein Onkel nachts in das Schlafzimmer der Kinder kam und ich immer ganz leise sein mußte - egal, was geschah. Wenn er fertig war, ging er wieder ins eheliche Schlafzimmer zu meiner Tante. Ob sie jemals etwas davon mit bekommen hat, weiß ich nicht.
Daß ich zu niemanden darüber sprechen konnte, hat mir mein Onkel auch sehr deutlich gemacht. Denn er sagte, daß das unser Geheimnis bleiben müsse, denn sonst dürfte ich nie wieder zu ihnen kommen und müßte immer bei meiner Mutter bleiben. Und dort wollte ich auf gar keinen Fall mehr bleiben.
Ich hab es trotzdem einmal versucht, mit meiner Mutter darüber zu reden. Ihre Antwort darauf war: "Denk dir nicht solche Lügengeschichten aus. Damit machst du dich auch nicht interessanter"!!! (Hier wurde ein für mich sehr schlimmer Grundstein gelegt - nämlich, daß ich nicht ernst genommen wurde.
Welche Konsequenzen das für mein weiteres Leben hatte, habe ich dann erst im Laufe meines Erwachsenenlebens erlebt. Egal, wie es mir ging - in Partnerschaften, im Job oder auch im Freundeskreis - andere waren immer wichtiger als ich. Meine eigenen Empfindungen wurden immer zurückgestellt - es zählt ja doch nicht, wie ich mich fühle, was ich denke.) Auch mit meiner Tante hätte ich auch niemals darüber sprechen können, sonst wäre ja meine letzte Zuflucht, die ich zu diesem Zeitpunkt hatte, ebenfalls für immer verloren gewesen.
In dem Jahr vor meinem 16. Geburtstag sagte ich dann zu der Fürsorgerin, daß ich lieber in ein Heim gehen würde, bevor ich zurück zu meiner Mutter ginge. Als ich dann wieder einmal von "zuhause" abgehauen war, kam die Fürsorgerin an und brachte mich dann in einem Heim unter.
Eigenartigerweise hatte ich danach nie wieder richtigen Kontakt zu meiner Tante und meinem Onkel. Heute weiß ich, daß ich diesen Kontakt auch nicht mehr gewollt habe, weil ich instinktiv wußte, daß das, was dort gelaufen war, nicht gut für mich war.
Welche Konsequenzen diese Zeit mit meiner "Mutter" sowie bei meiner Tante und meinem Onkel aber für mich und mein weiteres Leben hatte, ist mir erst viel viel später klar geworden - nämlich in einer Gesprächstherapie.
Wenn Kinder keine Liebe bekommen, bekommen sie schnell den Eindruck "nicht gut genug" zu sein und strengen sich an und an und, um besser - perfekt - zu werden. Aber je mehr Anstrenung da ist, umso mehr Ablehnung kommt zurück. So ist der Teufelskreis nicht zu durchbrechen.
Wenn dann eine Person kommt - wie bei mir mein Onkel -, dann gibt es zwei ganz gravierende Einschnitte - einmal - daß man das für Liebe und Geborgenheit hält und man lernt, daß Erwachsene mit Kindern alles machen können. Das bedeutet, hier findet eine grobe Grenzüberschreitung statt.
Hier werden Grundsteine gelegt, die im weiteren Leben große Probleme bereiten - nämlich: ein so behandeltes Kind hatte keine Chance zu lernen, Grenzen zu setzen bzw. daß Grenzen respektiert und akzeptiert werden. Somit wird es so einem Kind später als Erwachsenen sehr sehr schwer fallen, Grenzen zu setzen bzw. zu erkennen, daß Grenzen überschritten werden. (Was habe ich mir alles gefallen lassen und habe gelitten, aber ich wußte nicht, wie ich es ändern kann.)
Die Zeit von meinem 16. - 19. Lebensjahr verbrachte ich dann in verschiedenen Heimen. Dort gab es ebenfalls nicht sehr viel Liebe und Geborgenheit, sondern meist nur strenge Vorschriften, wenig Gespräche und noch weniger "auf den Menschen eingehen".
Während dieser Zeit hatte ich auch schon meine ersten Kopfschmerzen bzw. Migräneanfälle. Obwohl ich hier im Heim war und eigentlich auch hierher gewollt hatte, muß ich wohl immer und immer wieder an meine Mutter geschrieben haben. Die wenigen Briefe, die ich von ihr heute noch besitze, fangen alle an mit "beinahe hätte ich vergessen zu schreiben oder ich habe wenig Zeit, dir zu schreiben". Alle waren wichtiger als ich.
Kurz nach meinem 19. Geburtstag wurde ich dann Knall auf Fall entlassen, denn das neue Gesetz "mit 18 volljährig" trat in Kraft. Nun war ich für mein Leben alleine verantwortlich. Ich hatte eine Ausbildungsstelle als Altenpflegehelferin und sogar ein Zimmer. Somit begann mein Leben relativ geordnet.
Nur kurze Zeit später lernte ich dann meinen späteren ersten Ehemann kennen. Und in dieser Beziehung fing es dann an, daß ich nach und nach dicker und dicker wurde. Damals dachte ich ja noch, daß das mit der Pille zusammenhängt. Im Laufe der Zeit (insgesamt 7 Jahre) traten dann auch vermehrt Kopfschmerzen, Migräne, Bauch-, Brust- und Unterleibsschmerzen auf.
Mein Partner war nicht sehr besorgt um mich - er ging lieber alleine fort, Frauen aufreißen und mit seinen Freunden unterwegs sein. Schließlich trennte ich mich von ihm und nach der Trennung hörten auch schlagartig die Migräneanfälle und sonstigen Beschwerden auf.
Nach der Trennung von meinem ersten Ehemann habe ich mich dann fast nur noch auf meine Katzen fixiert.Von ihnen bekam ich all die Zuneigung und Liebe, die ich so sehr vermißte. Zwar hatte ich zwischendurch immer mal wieder eine kurze Beziehung, aber lange hielten diese meist nicht.
Zu Anfang dachte ich noch, daß alle meine Beschwerden nur mit meinem Mann zusammenhingen. Leider wurde ich im Laufe der nächsten Jahre eines besseren belehrt.
Jede angefangene Beziehung endete in einem Disaster. Nach kurzer Zeit konnte ich oftmals keine Berührungen oder Nähe mehr ertragen - reagierte mit körperlichen Beschwerden und auch meine Migräne setzte wieder ein. Und in jeder Beziehung legte ich wieder und wieder an Gewicht zu.
Zwischenzeitlich hatte ich dann auch sehr häufig unter Alpträumen zu leiden. Oft wiederholten sich diese Träume dann auch noch. Meistens waren es Träume von Katzen, die schwer verletzt irgendwo lagen oder am Sterben waren.
Einen Traum hatte ich immer wieder. Ich kam nach Hause, hatte dort einen geblümten Teppich liegen, und aus diesem Teppich guckten mich zwei Katzenaugen ganz kläglich an. Ich nahm den Teppich hoch und darunter lag eine Katze - aber schon fast verwest - nur noch die Augen hatten Leben in sich. Ich bin jedes Mal schweißgebadet aufgewacht nach diesem Traum.
Diese ganze Arie mit Migräne, Alpträumen, Tabletten zum Schlafen, Tabletten zur Beruhigung etc. hat meine Hausärztin so ca. 10 Jahre mitgemacht, dann hat sie mir ziemlich doll auf die Füße getreten; sie lehnte jegliche weitere Behandlung ab, wenn ich nicht endlich etwas für mich tue - also eine Kur sowie eine Therapie mache. Sie besorgte mir dann auch eine Therapeutin, bei der ich eine Analytische Therapie machte.
Meine erste Kur trat ich auch sehr kurze Zeit später an. Dort habe ich den Anfang gemacht, Gefühle zuzulassen, erkennen können, daß ich eigene Bedürfnisse habe. Nach der Kur ging es mit der ambulanten Therapie zuhause weiter.
Während dieser Therapie sind mir viele Zusammenhänge klar geworden - nur es nützte mir nichts, weil ich nicht wußte, wie ich das umsetzen sollte. Mir wurde klar, daß durch dieses lieblose Verhalten meiner Mutter sowie der sexuelle Mißbrauch mein eigenes Selbstwertgefühl absolut unter Null war.
Und ich habe bei meiner Partnerwahl immer wieder das gleiche Händchen gehabt und bin auf Menschen zumarschiert, die genauso zu mir waren wie meine eigene Familie - lieb- und herzlos.
Aber wie da herauskommen??? Ich fand den richtigen Weg einfach nicht. Auch die Therapeutin hat mir da keine Lösung geben können. Selbst eine erneute Kur brachte mir nicht den gewünschten Erfolg. Ich wollte alles so schnell wie möglich hinter mich bringen und fertig.
Daß ich aber sehr viel Zeit brauche,um all diese Dinge zur richtigen Zeit an die Oberfläche kommen zu lassen, war mir anfangs nicht klar und reichte mir auch nicht. Ich war sehr ungeduldig und wollte alles schnell schnell schnell.
Die Therapie zu Hause ging nahtlos weiter, aber so richtig kam ich nicht voran. Einerseits hatte ich zwar viele Erkenntnisse gewonnen, aber wie das umsetzen??? Ich fand den Weg immer noch nicht richtig.
Eine Zeit lang später endete die Therapie auch erst einmal, und ich hatte vorerst auch das Gefühl, fürs erste gerüstet zu sein.
Bis ich ca. 2 Jahre später einen Mann kennenlernte, der mir so doll unter die Gürtellinie gehauen hat, daß ich mich fast nicht davon erholt hätte. Bei diesem Mann hatte ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, hier bin ich geborgen, werde geliebt und so akzeptiert wie ich bin. Und sogar die üblichen Abwehrreaktionen blieben aus, die ich sonst immer hatte, wenn ich mit einem Partner zusammen war. Er konnte mich berühren, ohne daß ich Schmerzen hatte - ohne Angst. Aber leider war er das schlimmste, was mir einerseits passieren konnte. Alles, aber auch wirklich alles war Lüge, was er von sich gegeben hatte. Und durch diese Lügerei ist bei mir so eine Schranke runtergegangen, daß ich alles, was ich vorher bei ihm als Freiheit erlebt hatte, so erfolgreich weggedrängt habe, daß ich jetzt bei der kleinsten Berührung schon zusammenzucke und mich zurückziehe.
Diese Scheißgeschichte war Anlaß für mich, eine erneute Therapie zu machen. Und dieses Mal hatte ich das große Glück, in einer Therapieeinrichtung zu landen, die sich auf Missbrauch (in jeglicher Form, also auch seelischen Missbrauch) und ihre Folgen (wie z.B. Ess-Störungen) spezialisiert hat. Diese Therapieeinrichtung arbeitet sehr sehr viel mit den ganz frühen Erlebnissen - also genauer gesagt - mit dem "inneren Kind".
Wie oft hab ich mich so klein und so hilflos gefühlt in den Therapiestunden. Und dort werde ich aufgefangen, gehalten und lieb gehalten. Diese Stunden dort haben mir so viel Sicherheit gebracht, daß ich dort endlich nach vielen vielen Jahren das erste Mal von meinen Ängsten, Berührungsproblemen, Alpträumen etc. sprechen kann.
Während dieser Zeit habe ich dann schließlich nochmals eine Kur gemacht - bedingt durch eine ziemlich scheußliche Geschichte auf meinem Arbeitsplatz. Und während der Kur kam dann auch plötzlich hoch, daß dem sexuellen Mißbrauch durch meinen Onkel eine Vergewaltigung durch ihn auch noch geschehen ist. Das war mir bis zu dieser Kur nicht bewußt. Und ich habe sehr viel Wut in mir seit dem. Wut auf diesen Mann, der sich das Recht herausnimmt, seine Bedürfnisse an einem wehrlosen Kind auszuleben.
Ob ich es wirklich ganz schaffe, all diese schrecklichen Dinge zu verarbeiten - ich weiß es nicht, denn auch heute - ich bin mittlerweile das zweite Mal verheiratet - kommen diese Abwehrreaktionen wieder zum Vorschein. Heute jedoch bin ich wenigstens schon mal so weit, daß ich mit meinem Mann darüber sprechen kann. Am Anfang hatte ich das Gefühl, als wenn er es nicht versteht (mein Mann ist Türke), jedoch mittlerweile reagiert er sehr gut darauf, wenn ich ihn wieder einmal zurückweise, weil mir seine Berührungen zu viel werden. Dann nimmt er mich einfach in den Arm und hält mich ganz fest, ohne irgendetwas von mir zu wollen und zu fordern. Und trotzdem spüre ich, daß ich immer noch in Lauerstellung bin - darauf warte, daß er erneute Versuche macht, mich zu berühren. Bis ich da richtig Vertrauen habe, das wird wohl noch einige Zeit dauern. Und ich hoffe von ganzem Herzen, daß auch mein Mann stark genug ist, um das mit mir gemeinsam durchzustehen ;-).
Eines weiß ich aber sicher; es geht mir viel besser jetzt, nachdem ich weiß, wodurch das ausgelöst wurde. Der Weg ist sicherlich noch nicht zuende, aber die größten Brocken habe ich bereits aus dem Weg geräumt und darauf bin ich verdammt STOLZ, daß ich die Kraft und den Mut hatte, dieses schwierige Thema anzupacken ;-))
Eigentlich wäre es gut, wenn ich hier fortlaufend berichten würde - das fällt mir jedoch sehr schwer, weil es doch weit in das ganz private und persönliche reingeht - und das möchte ich dann doch nicht für alle Welt öffentlich machen.
Eines kann ich auf jeden Fall noch sagen - diese Therapie ist ein großes Wechselbad der Gefühle - mal gehts mir eine ganze Weile relativ gut - und dann wieder hänge ich total durch - habe Schlafstörungen, Alpträume und fühle mich manches Mal auch restlos erschöpft. Aber dennoch möchte ich diesen Weg zuende gehen, denn ich weiß, daß es nur so wirklich besser werden kann für mich.
Ende 2006
Im Laufe der Jahre habe ich nun zwei Therapieformen hinter mir, die dazu dienten, überhaupt herauszufinden, wo eigentlich die Ursachen für dieses Essverhalten liegen.
Nachdem die letzte Therapie ausgelaufen war, hatte ich das Gefühl, einiges recht gut "im Griff" zu haben - bis dann im Jahr 2006 immer wieder Situationen auftraten, die mich immer wieder in dieses Essverhalten fallen ließen. Ok - ich wußte nun, woher dieses Verhalten kommt, aber wie ich es verändern kann, das habe ich bis heute noch nicht drauf.
Ende 2005 hatte ich nochmal die Möglichkeit, eine Kur zu machen, von der ich mir wieder so viel Stabilität erhoffte, damit ich wieder gerüstet bin für mein weiteres Leben. Leider war diese Kur nicht das, was ich mir erhofft hatte. Von den 6 Wochen waren fast die Hälfte verstrichen, bevor überhaupt irgendwas angegangen werden konnte (hier waren die Planungen der Kurklinik nicht grade optimal).
Bereits nach meiner Rückkehr nach Hause spürte ich, daß ich nicht die Stabilität hatte, die ich mir gewünscht hatte. Im Laufe der Wochen und Monate nach der Kur wurde ich immer dünnhäutiger und kraftloser. Bis dann Anfang Sommer 2006 der totale Zusammenbruch kam. Seitdem bin ich nun durchgehend krankgeschrieben. Eine erneute Therapie soll nun helfen, hier wieder Boden unter den Füßen zu bekommen. Allerdings merke ich jetzt schon nach so wenigen Sitzungen, daß diese Therapie nicht das ist, um voranzukommen.
Ich habe dann Kontakt zu meiner Krankenkasse und der behandelnden Ärztin aufgenommen, um gemeinsam zu besprechen, wie ich jetzt am besten weiter vorgehe, um wieder auf die Beine zu kommen. Es ist auch nicht immer leicht, gleich den oder die richtige(n) Therapeuten/Therapeutin zu finden. Jetzt hoffe ich sehr, daß ich beim Wechsel der Therapieform (zur Verhaltenstherapie) endlich den Weg finde, der mich in die richtige Richtung führt.
Auf Dauer krankgeschrieben daheim zu sein, ist nämlich nicht wirklich "mein Ding" - ich bin kein Mensch, der daheim sein kann, ohne Arbeit und nicht ausgelastet zu sein. Andererseits spüre ich aber auch immer wieder, wie wenig Kraft ich habe - hier reicht es schon aus, wenn ich z.B. einkaufen gehe. Danach bin ich meistens so fix und fertig, als ob ich nen Marathon gelaufen hätte.
An dieser Stelle möchte ich aber auch noch meinem Mann großen Dank aussprechen, denn er hat grade in den letzten 2 - 3 Jahren einiges mit "aushalten" müssen. Welcher Mann hält es schon lange aus, wenn die eigene Frau sich ihm monate- und jahrelang "verweigert". Dafür bin ich ihm wirklich sehr dankbar, daß er das nicht als Anlaß genommen hat, um zu gehen und mich alleine zu lassen. Obwohl diese Angst davor mein ständiger Begleiter ist. Aber ich kann ihn nicht an mich heranlassen - jeder engere körperliche Kontakt wird für mich zur Qual.
Ende März 2007
Heute möchte ein paar Zeilen zu Freunden schreiben - Freunde sind etwas sehr Wichtiges im Leben. Ich habe das große Glück, eine Frau eine Freundin nennen zu dürfen, die ich vor ein paar Jahren in einer Kurklinik kennenlernte.
Schon während dieser Kurzeit hatten wir beide so einen gewissen Draht zueinander, das war schon genial. Nach der Kur hielten wir den Kontakt aufrecht, bis er dann eines Tages eingeschlafen war. Es war keine böse Absicht, aber irgendwie passte es hier oder da bei beiden nicht so wirklich.
Als ich dann 2005 erneut zur Kur fuhr (in die gleiche Klinik, wo wir uns kennengelernt hatten) schrieb ich ihr auf blauen Dunst einfach eine Karte mit dem Text "rate mal, wer jetzt hier ist....." und meine Telefonnummer. Nur einen oder zwei Tage später klingelte das Telefon und sie war dran. Sie wußte sofort, daß ich es war, die dort wieder auf Kur war. Seitdem haben wir Gott sei Dank wieder regelmässigen Kontakt.
Das Schönste war dann allerdings, daß sie mich, als sie hier in Hamburg etwas zu erledigen hatte, besuchen kam. So haben wir uns nach vielen Jahren das erste Mal wieder gesehen - und es war einfach nur schön. Während des Besuchs wurde aber bei mir was hochgeschaukelt, mit dem ich alleine nicht zurecht kam. Ich bat diese Freundin dann um ein Gespräch, weil ich genau wußte, daß ich mit ihr über alles reden kann.
Nachdem wir meine Problematik soweit bequatscht hatten, sagte sie dann zu mir "wenn mich jemand fragen würde, warum ich dich so arg lieb habe, wüßte ich gar nicht, woran ich das festmachen kann. Du hast so vieles, was liebenswert ist an dir". Mit diesen Worten hat sie mich sehr berührt. In meinem Leben gab es äußert wenig Menschen, die mir gesagt oder gezeigt haben, daß sie mich liebhaben. Und nun stand ich da mit der Äußerung meiner Freundin und wußte so gar nicht, was ich damit nun anfangen kann.
Es ist sehr schwer, solche "Bekundungen" einfach anzunehmen und für mich vor allem, sie zu glauben. Was bitte ist an mir denn liebenswert???? Aber bei meiner Freundin weiß ich eben, daß sie mir nichts sagen würde, was falsch ist oder daß sie mich anlügen würde.
Liebe Frohmut - danke, daß es DICH gibt und jemand dafür Sorge getragen hat, daß WIR uns kennenlernen durften.