Das WUNDER von Manhatten :-)
John Giotti steht zum ersten Mal vor dem Gebirge aus Schutt und Beton, das
einmal das World Trade Center war. Es ist auch der Trümmerhaufen seines Lebens.
Irgendwo da unten war sein Restaurant. Giotti stochert in Planquadrat 47. Er ist
auf der Suche. Wonach? Er weiß es selbst nicht genau. Vielleicht findet er
irgendetwas aus seinem Lokal, das nicht zerstört wurde - ein Bild, seinen
Football-Pokal. Irgendetwas, das er mit nach Hause nehmen kann, um zu begreifen,
dass dies alles wirklich passiert ist. Dann ist da plötzlich ein Geräusch. Ein
Weinen, so leise, dass Giotti erst glaubt, es wäre nur ein seinem Kopf - eine
Einbildung. Doch das kaum hörbare Wimmern ist hartnäckig. Da begreift John:
Irgendwo da unten ist noch Leben. Aufgeregt läuft er zu einem Polizisten mit
Funkgerät.
Jim Sheridan hat in diesen Tagen schon so oft die Hoffnung sterben sehen, dass er dem Restaurantbesitzer nur ungläubig folgt. Überlebende am 26. September? 15 Tage nach der Katastrophe? Wer soll 360 Stunden ohne Wasser, ohne Nahrung, ohne Schutz unter tonnenschweren Trümmern überlebt haben? Unmöglich. Doch dann hört er auch das leise klagende Geräusch. "Ich glaube, da unten ist etwas, das noch lebt", sagt er in sein Funkgerät. Minuten später sind die Einsatzkräfte da. Fieberhaft, aber vorsichtig werden die Trümmerteile beiseite geräumt. Irgendwo da unten muss sich eine Höhle gebildet haben, ein zufälliger Schutzraum des Überlebens: Die Männer müssen aufpassen, dass sie ihn nicht zum Einsturz bringen. Nach drei Stunden ist es geschafft. Behutsam öffnet Officer Sheridan einen verstaubten, zerbeulten Karton. Eine bis auf die Knochen abgemagerte Katze springt ihm in die Arme. Doch das eigentliche Wunder entdeckt Jim erst jetzt. Dieser Servietten-Karton ist Zufluchtsort für noch mehr Leben: Drei kleine Katzenkinder blinzeln Jim an, sehen zum ersten Mal das Tageslicht und dass es eine Welt jenseits ihres Pappkartons gibt. Da wird allen klar, dass die Katzendame in der Katastrophe sogar ihre Babys zur Welt gebracht hatte. Wie sie es schaffte, dass sie überlebten, ohne Wasser, ohne Futter, ohne Licht - das wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Diese Katzen sind die letzten Überlebenden von Ground Zero. Und mehr: Sie sind Beweis dafür, dass man niemals aufgeben sollte. Neue Kraft durchströmt die erschöpften Retter. Als es darum geht, die Findelkinder zu taufen, kommen die Namen direkt aus ihren Herzen: Glow (Glut), Freedom (Freiheit), Flag (Flagge). Und als sie überlegen, wie die Mutter heißen soll, sagt einer: "Für sie kann es nur einen Namen geben: Hope." Denn die Hoffnung darf niemals sterben.
Wer bisher nicht an Schutzengel geglaubt hat, der wird jetzt sicher ganz anders darüber denken, denn so was kann nur überlebt werden, wenn man eine ganze Batterie Schutzengel hatte.